Story

Vor dreizehn Jahren...

wurde auf dem Richtplatz der Stadt Andergast ein finsterer Prophet und Hexenmeister öffentlich verbrannt.


Seinen wahren Namen kannte niemand. Er kam aus den Wäldern, sprach finstere Orakel und verschwand wieder. Ehrfurchtsvoll nannte man ihn „den Seher“. Ein Druide sei er, ein Hexer, ein Feenwesen oder gar ein allwissender Halbgott. Immer wieder hatte er den Andergastern Unheil prophezeit und zuverlässig war dieses Unheil eingetreten. Niemand kannte den genauen Grund, warum der König von Andergast die Verfolgung und Hinrichtung des Sehers befahl. Aber man erzählt sich, der Seher habe das Königreich mit einem mächtigen Fluch bedroht.



Bei der Hinrichtung schaute auch ein ärmliches Kind mit rabenschwarzen Haaren zu. Als die Prozession mit dem Verurteilten auf dem Karren vorbei kam, erblickte der Seher diesen Jungen, richtete den Finger auf ihn und sprach eine letzte unheilvolle Prophezeiung. Dann wurde der Scheiterhaufen entzündet und die Flammen verzehrten ihn.


Das schwarzhaarige Kind, Geron, wuchs zu einem begabten Fallensteller heran. Doch seit jenem Tag der Hinrichtung schwebten die unheilverheißenden Worte des Sehers über seinem Haupt. Die anderen Andergaster beäugten ihn mit Argwohn. Und dass überall dort, wo er auftauchte, auf mysteriöse Weise Dinge zu Bruch gingen oder verschwanden, verstärkte noch diesen Eindruck. So beschimpften sie Geron als Pechbringer und Hexenbalg.


Zu Beginn der Geschichte hat Geron, der junge Fallensteller, mehr als genug zu tun. Viele Krähen verhalten sich sonderbar. Aggressiv und furchtlos greifen sie sogar Menschen an. Einige Andergaster schwören sogar, sie brächten den Menschen dunkle Alpträume. Als schließlich auch noch einige der gefeierten Helden, die vor dreizehn Jahren den Seher gejagt und besiegt hatten, mit ausgepickten Augen tot aufgefunden werden, nehmen die Gerüchte in der Stadt kein Ende. Es heißt, der Geist des Sehers sei zurückgekehrt, um an seinen Mördern Rache zu nehmen. Und natürlich richten sich viele Augen auch wieder auf den jungen Geron, von dem es heißt, er bringe Unglück.



Als der König für eine besondere Aufgabe einen Fallensteller aus dem Volk sucht, ergreift Geron die Gelegenheit, seinen schlechten Ruf ein für alle Mal zu widerlegen. Und wird so in eine Geschichte verstrickt, der ihm bald über den Kopf wächst.